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'Santa Maria Immaculata'
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Dieses schöne Altarbild der Maria, die Unbefleckt
Empfangene, wirft sehr viele Fragen auf. Auf den Gemälde
fehlt die Unterschrift des Meisters. Man weiss nicht genau, wann
und vor allem wie es bis nach Acletta gekommen ist. Erst 1934
hat Erwin Poeschel, Bearbeiter der Kunstdenkmäler des
Kantons Graubünden, einen sehr aufschlussreichen Aufsatz
verfasst:
"In einem Punkt hat jene belletristische Entstehungsgeschichte
richtig gesehen: das Bild ist, wie sich aus gewissen baulichen
Details sicher nachweisen lässt, nicht für die Kapelle
von Acletta gemalt worden, sondern muss an einem anderen Ort
gestanden haben, von wo es, um das Jahr 1680, vermutlich durch
die Kapuziner, denen die Pfarrei Disentis damals anvertraut war,
hierher kam. Nicht ohne Grund hatte man in dem Maler dieses
Bildes gerade Murillo gesehen, der in nicht weniger als 25
Immaculata-Bildern die dunkle Schönheit des andalusischen
Mädchens in den Himmel versetzt hat. Ja unter diesem
viertelhundert Darstellungen der 'Purissima' ist eine, sie wurde
für die Franziskaner von Sevilla gemalt, die in der ganzen
Komposition fast verblüffend weitgehend mit dem Disentiser
Bild übereinstimmt, während allerdings kein Strich der
Handschrift unseres Bildes an Murillo denken lässt.
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Dass sich aber im Gegenständlichen deutliche Beziehungen zur
spanischen Kunst erkennen lassen, ist ja kaum zu verwundern, da es
sich um den Typus eines Andachtsbildes handelt, das auf spanischem
Boden in der Immaculata des Ribera bei den Augustinern in Salamanca
seine massgebende klassische Ausformung erfahren hat. Von dorther
kommt auch eine, später in den theoretischen Schriften
festgelegte und vom Disentiser Bild gleichfalls übernommene,
ikonographische Neuerung: die Jungfrau in ein weisses Gewand zu
kleiden, während bis dahin rot in verschiedenen Nuancen seine
Farbe war und in Italien noch lange Zeit blieb.Für den Meister
der Madonna von Acletta allerdings nicht. Er übernahm das
ursprünglich nur für die Immaculata als Symbolisierung der
Unbeflecktheit gedachte Gewand auch in seine Himmelfahrts- und
Verkündigungsdarstellungen. Der Meister ist der Italiener
Carlo Francesco Nuvolone (1608 - 1661), genannt Panfilo. Was auf seine
Fährte half war die Gewohnheit des Malers, Elemente seiner
Bilder beinahe unverändert in andere Werke zu
übernehmen...In der Klosterkirche S. Maria der Lentasio in
Brera finden wir den kleinen Engelknaben des Disentiser Bildes, der
den Mantel der Jungfrau rauschend in die Höhe bauscht, so genau
im Spiegelbild wiederholt, dass sich jedes Detail bis zu dem in
zartem Bogen über das pralle Bäuchlein gelegten
Schlagschatte völlig deckt...Nun musste die Konfrontierung des
Disentiser Bildes mit einer anderen Immaculata Nuvolones die Probe
aufs exempel bilden. Eine solche fand sich in der Kirche S.Vergine
Immacolata zu Masagno bei Varese. Sie bildet einen so
überzeugenden Beweis für die Autorschaft Nuvolones an dem
Altarblatt von Acletta, als man es sich nur wünschen kann. Die
Grundgedanken der Komposition sind in beiden Werken die gleichen.
Auch in Masagno steht Maria geneigten Hauptes im melodischen Schwung
klassischen Kontrapostes da, nur dass der Maler im Disentiser Bild
die Stellung im Spiegelbild genommen und die Haltung um ein weniges
gestraffter und königlicher gemacht hat. Hier wie dort das
weisse, grau schattierte Gewand mit dem grünlich-blauen Mantel,
das ins Rötliche spielende in wolligen Enden ausflatternde
dunkelblonde Haar, in dem die gleiche Krone mit den nadelfein
gespotzten Zacken sitzt. Wie der Wolkenkranz mit den
Puttenknöpfen angeordnet, die Strahlung der Gloriole
geführt und der Faltenwurf modelliert ist, das deckt sich bis
in die kleinste Einzelheiten....
Was das zeitliche Verhältnis der beiden Werke zueinander
anbelangt, so ist kein Zweifel, dass die Immaculata von Masagno nur
die Vorstufe zu der viel freieren und im Wurf einheitlicheren von
Acletta ist, und während die beiden Engelsknaben dort noch
etwas verlegen zuseiten der Madonna flattern, sind sie im Disentiser
Bild in den grossen Schwung des Ganzen hineingeweht, da sie den
wehenden Mantel der Himmelskönigin entfalten...
Die innere Hingabe an sein Werk war es wohl auch vor allem, die ihn
zu einem der gesuchtesten Kirchenmaler seiner Heimat machte und ihm
den Titel des 'lombardischen Reni' eintrug.
Wenn des Rätsels Lösung auch nicht den Namen des
Andalusiers Murillo brachte, so doch einen andern von gutem
Klang."
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Quelle: 'Maria Immaculata von Acletta', von P. Joachim Salzberger,
Einsiedeln und Gregori Maissen, Acletta. Diese Broschüre ist in
der Kapelle von Acletta erhätlich.
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